Viele Menschen haben Angst davor, ihre Gefühle zuzulassen.

Das kann verschiedene Gründe haben, wie z.B. man hat Angst vor dem Schmerz, den Gefühle verursachen können, man darf seine Gefühle nicht zeigen oder man will sich damit nicht auseinandersetzen.

Gefühle zuzulassen ist sehr wichtig und hat viele positive Aspekte: man fühlt sich lebendiger, weil man fühlt.

Man ist gesünder, weil unterdrückte Gefühle sich nicht mehr auf den Körper ausschlagen und man findet seine innere Ruhe, da man seine Gefühle zulässt und sie akzeptiert.

junge Frau mit Sonnenbrille, die Arme ausbreitet

Viele physische und psychische Probleme haben ihren Ursprung darin, dass wir unsere Gefühle unterdrücken und sie lieber verdrängen, anstatt uns mit ihnen auseinanderzusetzen.

Doch wie kommt es, dass wir so ungern unsere Gefühle zulassen und sie lieber irgendwo tief in uns drin vergraben, in der Hoffnung, dass wir einfach auf sie vergessen, als gäbe es sie nicht?

Schon im Kindesalter wird uns gelehrt, dass wir unsere Gefühle unterdrücken sollen.

Wenn wir geweint haben, weil wir hingefallen sind oder weil wir etwas nicht bekommen haben, was wir unbedingt wollten, wurde uns immer gesagt, wir sollen nicht weinen.

traurige Frau, die durch das Fenster schaut

Auch unter Freunden oder in der Schule galt man als Heulsuse oder Waschlappen, wenn man seine Gefühle zeigte. Jungs bzw.

Männer haben es da noch schwerer, da ihnen von der Gesellschaft der Stempel aufgedrückt wird, dass “echte Männer” nicht weinen und ihre Gefühle nicht zeigen sollen und deshalb sieht es aus, als ob sie nach einer Trennung kalt sind.

Dabei ist gerade das Gegenteil der Fall: wenn wir unsere Gefühle zulassen, zeigen wir wahre Stärke!

Oft ist es so, dass wir positive Gefühle, wie z.B. Freude, gerne zulassen und negative Gefühle, wie z.B. Trauer, gerne verdrängen.

Dabei sollten wir alle Gefühle zulassen und dazu brauchst es Stärke und Mut.

Auch ich habe lange gebraucht, bis ich es geschafft habe, meine Gefühle zuzulassen, da ich es immer vorgezogen habe, negative Gefühle zu verdrängen und so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre.

traurige Frau, die am See sitzt

Ich war schon immer mehr der Typ Mensch, der ungern seine Gefühle zeigt und nur schwer anderen seine Gefühle mitteilt.

Letztes Jahr hat mich ein schwerer Schicksalsschlag getroffen – mein Vater ist ganz unerwartet verstorben.

Das war einer der schlimmsten Tage meines Lebens.

Ich war schon immer Papas kleines Mädchen und wusste, dass ich mich immer auf ihn verlassen kann und er mich immer beschützen wird.

Doch nun war er einfach weg und würde nie wieder zurückkommen.

Meine Mutter war am Boden zerstört und ich versuchte, für sie da zu sein.

zwei Frauen trösten sich gegenseitig

Ich musste stark für sie sein und habe einfach meine eigenen Gefühle verdrängt, so wie ich das schon oft getan habe.

Auf der Beerdigung meines Vaters habe ich keine Träne vergossen: mein Verstand ließ dies einfach nicht zu, es war, wie als ob ich eine Blockade in meinem Körper hätte, die mich einfach nicht weinen ließ.

Es war ein langer Prozess, bis ich begriffen habe, dass es falsch war, meine Gefühle zu unterdrücken und es zeigte sich auf unterschiedlichen Ebenen, wie wichtig es ist, seine Gefühle zuzulassen.

Bevor ich allerdings nun auf die einzelnen Schritte meines Prozesses eingehen werde, möchte ich euch zeigen, warum es so wichtig ist, seine Gefühle zuzulassen.

Warum du deine Gefühle zulassen solltest

langes haariges Mädchen, das auf Feld sitzt und denkt
Gefühle gehören zu den Dingen, die uns zu einem Menschen machen: wir haben einen Körper, wir haben Gedanken und wir haben Gefühle. Ohne Gefühle fehlt uns etwas.

Viele Menschen neigen dazu, negativen Gefühlen argwöhnisch gegenüberzustehen und diese abzulehnen und zu verdrängen.

Dabei müssen wir lernen, sowohl mit positiven als auch mit verletzten Gefühlen umzugehen und diese zu akzeptieren.

Es gibt einige Vorteile, warum es gut ist, unangenehme Gefühle zu akzeptieren und seine Gefühle zuzulassen.

Welche das sind, möchte ich euch nun vorstellen!

Gefühle zulassen, um sich lebendiger zu fühlen

glückliche Frau im Auto lächelnd
Wie bereits vorhin erwähnt, gibt es drei Dinge, die markant für einen Menschen sind: Körper, Gedanken und Gefühle.

Wenn du also deine Gefühle verdrängst, verdrängst du einen Teil von dir selbst.

Ich weiß, es macht einem manchmal große Angst, seine Gefühle zu offenbaren und diese tatsächlich zu fühlen.

Doch Gefühle sind schließlich dazu da, um gefühlt zu werden und sie geben uns das Gefühl, lebendig zu sein.

Wenn wir unsere Gefühle unterdrücken, fühlen wir eine gewisse Leere in uns, ein Taubheitsgefühl.

Und wenn wir nicht etwas dagegen unternehmen, werden wir daran zerbrechen.

Daher ist es wichtig, dass wir unsere Gefühle zulassen, um uns lebendiger und vollkommen zu fühlen.

Gefühle zulassen, damit sie wieder verschwinden

nettes Mädchen im Park meditieren
Ein weiterer Grund, warum wir unsere Gefühle zulassen sollten, ist, damit sie auch wieder vergehen.

Das klingt jetzt komisch, nicht wahr?

Tatsächlich ist es so, dass wir Gefühle erfahren und durchleben müssen, damit sie wieder verschwinden.

Denn wenn wir unsere Gefühle verdrängen, verschieben wir sie nur, sie sind allerdings noch immer vorhanden.

Und genau da liegt der springende Punkt: früher oder später werden diese Gefühle wieder an die Oberfläche kommen und uns einholen, wie zum Beispiel in der Form eines Kryptonit-Menschen.

Sobald wir einsehen, dass wir unseren Gefühlen nicht entkommen können, werden wir sie schneller akzeptieren und sie so annehmen, wie sie kommen.

Je eher wir sie akzeptieren, desto eher verfliegen sie wieder.

Gefühle zulassen, um neue Kraft zu schöpfen

afrikanische Frau lächelnd
Oft sind wir uns gar nicht bewusst, wie viel Kraft es uns raubt, unsere Gefühle zu verdrängen, sie irgendwo ganz hinten in unserem Unterbewusstsein zu verstecken.

All die darin investierte Energie manifestiert sich in Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit, fast wie eine Depression.

Auch unser Körper merkt, dass wir sehr viel Aufwand betrieben haben, um unsere Gefühle zu verdrängen und unser Körper versucht uns dabei zu helfen, sie zu verstecken.

Dies äußert sich darin, dass sich unsere Muskeln verspannen, weil wir krampfhaft versuchen, unsere Gefühle nicht an uns ranzulassen.

Wenn wir nun allerdings unsere Gefühle zulassen, kann sich unser Körper entspannen und all die Energie wird freigelöst und wir schöpfen neue Kraft.

Gefühle zulassen, um Schicht für Schicht zu Freude und Liebe zu gelangen

glückliches Mädchen im Kleid, das ein Getränk trinkt
Im Tiefen unseres Herzens verspüren wir Freude und Liebe, das sind sozusagen unsere instinktiven Gefühle.

Kein Mensch wird böse oder traurig geboren, wir alle kommen mit Liebe auf die Welt.

Wenn uns also unangenehme Gefühle übermannen und wir diese ignorieren, bilden sie eine Schicht über unsere Gefühle von Freude und Liebe.

Mit der Zeit können sich immer mehr und mehr Schichten aufbauen, wodurch es schwierig werden kann, wieder Freude und Liebe zu verspüren.

Daher ist es umso wichtiger, seine Gefühle zuzulassen, da wir so wieder eine Schicht abbauen und einen Schritt näher zu Freude und Liebe sind.

Gefühle zulassen, um seine innere Ruhe zu finden

rote Frau, die am Fenster mit Kaffee genießt
Wenn wir unsere Gefühle verdrängen, verändern sie unsere innere Ruhe.

Wir fühlen uns unrund, spüren, dass uns etwas belastet, vielleicht reagieren wir auch gereizt und sind verspannt.

All dies liegt daran, dass unsere verdrängten Gefühle trotzdem in uns arbeiten und raus wollen.

Und genau das sollten wir auch tun: unsere Gefühle rauslassen!

Der beste Weg, um unsere Gefühle zuzulassen und unsere innere Ruhe zu finden, ist Meditation und Yoga.

Durch Meditieren und Yoga lernen wir unseren Körper kennen und können so unseren inneren Ruhepol finden.

Wir lernen Strategien kennen, wie wir unseren Körper maximal entspannen und all den Druck, den wir innerlich verspüren, abbauen und uns unseren Gefühlen gegenüber öffnen.

Durch innere Ruhe kann man auch ein Kohärenzgefühl erreichen.

Gefühle zulassen, um gesund zu sein

Frau läuft am Strand
Oft sind wir uns gar nicht bewusst, wie sehr unsere Gesundheit von unseren Gefühlen abhängt.

Viele physischen und psychischen Probleme haben ihren Ursprung darin, dass wir unsere Gefühle unterdrücken und sie lieber verdrängen, anstatt uns mit ihnen auseinanderzusetzen.

Mir ging es genauso mit dem Verlust meines Vaters.

Ich habe meine Gefühle verdrängt, weil ich einfach noch nicht bereit war, diesen unglaublichen Schmerz zu spüren und weil ich für meine Mutter da sein wollte.

Also habe ich meine Trauer tief vergraben und nicht mehr daran gedacht.

Doch nach einiger Zeit verspürte ich einen extremen Druck in der Brust und Verspannungen im Rücken.

Ich konnte mir nicht erklären, woher diese Schmerzen kamen, bis ich erfahren habe, dass unterdrückte Gefühle das Körperempfinden beeinflussen können.

Also beschäftigte ich mich intensiver damit und beschloss, meine Gefühle zuzulassen und mit der Zeit wurden auch meine Schmerzen geringer und ich lernte mit meiner Trauer umzugehen.

Gefühle zulassen, um Blockaden zu befreien

schöne Frau, die die Spiegel betrachtet
Oft hört man, dass jemand behauptet, er kann etwas nicht machen, weil er “eine Blockade” hat.

Doch was ist eigentlich diese Blockade?

Im Grunde genommen ist eine Blockade eine Angst. Das Gefühl der Angst etwas nicht hinzubekommen, weshalb sich unser Körper verschließt.

Meistens verschließen wir uns vor etwas, vor dem wir schon einmal ein unangenehmes Gefühl verspürt haben, z.B. vor einer Menschenmasse sprechen, weil wir früher mal ausgelacht wurden.

Natürlich war dies keine schöne Erfahrung, jedoch dürfen wir uns vor diesem Gefühl versperren.

Wir müssen uns der Angst stellen, diese besiegen und an uns selbst glauben.

So befreien wir uns von der Blockade, die uns daran hindert, nach vorne zu gehen.

Es gibt also einige Gründe, warum es von Vorteil ist, seine Gefühle zuzulassen und sie zu akzeptieren.

Aber wie genau sollen wir das anstellen? Wie können wir unsere Gefühle zulassen?

Diese Fragen werde ich euch mit einigen Tipps beantworten, wie ihr eure Gefühle zulassen könnt und euch so besser fühlen werdet.

5 Tipps, wie du lernst, deine Gefühle zuzulassen

glückliche Frau auf dem Fahrrad im Feld
Es ist nicht immer leicht, seine Gefühle anzunehmen und sie zu fühlen. Doch hier habe ich einige Tipps für euch, wie ihr Schritt für Schritt eure Gefühle zulassen könnt.

Wichtig ist, dass ihr auf euren Körper hört und seine Zeichen beachtet, denn oft zeigt uns unser Körper, dass uns etwas belastet und wir daran arbeiten sollten.

Unser Körper macht oft den ersten Schritt – es liegt an uns, zu handeln und unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen.

– Gefühle bewusst wahrnehmen

nachdenkliche Frau am Fenster
Zunächst ist es wichtig zu lernen, unsere Gefühle bewusst wahrzunehmen. Du solltest dich daher mehrmals am Tag fragen, wie es dir eigentlich geht.

Versuche auf deinen Körper und dein Herz zu hören, sie werden dir die Antwort sagen.

Auch wenn du vielleicht nicht sofort dein Gefühl benennen kannst, so versuche es zu erkennen.

Oft kann einem dabei der Atem weiterhelfen, unsere Gefühle einzuordnen.

Wenn wir genau auf unseren Atem hören und tief in unser Herz hineinhören, können wir erkennen, ob wir positive oder negative Gefühle verspüren.

Achtsamkeitsübungen können dir dabei helfen.

– Gefühle körperlich wahrnehmen

junge blonde Frau meditiert auf dem Boden
Um unsere Gefühle vollkommen wahrnehmen zu können, sollten wir sie auch körperlich wahrnehmen bzw. sie lokalisieren.

Dafür sollte man sich auf seinen Körper konzentrieren und diesen gedanklich abtasten.

Versuche wirklich in dich zu gehen und deinen Körper Schritt für Schritt abzugehen und auf ihn zu hören.

Dabei kannst du entdecken, ob du vielleicht einen Druck in der Brust verspürst, Verspannungen oder Kopfschmerzen.

Wenn du einmal dein Gefühl lokalisiert hast, kannst du dich darauf konzentrieren und es willkommen heißen. Einfach akzeptieren, dass gerade ein Gefühl da ist und dass du keine Angst vor diesem Gefühl hast.

Erlaube dir, Zeit für sich selbst zu nehmen und überspringe Selbstfürsorge nicht.

– Gefühle benennen können

Frau sitzt und genießt am See
Nachdem du nun dein Gefühl wahrnimmst, du weißt, dass es da ist, solltest du versuchen, dieses Gefühl in Worte zu fassen, zu beschreiben, was du gerade fühlst.

Im Grunde genommen gibt es fünf Grundgefühle, die ca. 95% unserer Gefühlspalette abdecken – Trauer, Angst, Freude, Scham und Ärger.

Zunächst sollte man grob entscheiden, zu welcher Kategorie man das Gefühl zuordnen soll und danach sollte man versuchen, es so genau wie möglich zu beschreiben.

Wenn es z.B. gerade kein passendes Wort gibt, welches dein Gefühl am besten beschreibt, kannst du dir auch selbst Wörter ausdenken, die es deiner Meinung nach am besten ausdrücken.

Manchmal sind wir uns gar nicht sicher, ob wir gerade tatsächlich ein Gefühl verspüren oder vielleicht nur Körperempfindungen, wie Hunger oder Müdigkeit.

Daher sollte man sich die Frage stellen “Was fühle ich gerade” und so detailliert wie möglich beantworten.

Hier findest du die besten Sprüche zum Nachdenken über Gefühle.

– Gefühle nicht bewerten

nettes Mädchen, das eine Blume in der Natur riecht
Das ist besonders wichtig: man soll seine Gefühle nicht bewerten!

Es ist egal, ob es sich um positive oder negative Gefühle handelt, Gefühl ist Gefühl.

Und Gefühlen sollte man mit Achtsamkeit begegnen: akzeptieren, dass sie gerade da sind, aber sie nicht bewerten.

Man sollte einfach akzeptieren, dass dieses Gefühl gerade da ist und es wird wieder von alleine vergehen.

Denn sobald wir anfangen, ein Gefühl zu bewerten, laufen wir Gefahr, dieses Gefühl mit negativen Gedanken zu verknüpfen und bauen selbst eine Schutzmauer auf, um dieses Gefühl nicht zu fühlen.

Wir sollten das Gefühl einfach annehmen, wie es ist und zeigen, dass es in Ordnung ist, dass es gerade da ist.

So kannst du auch deine Gefühle loslassen und sie finden ihren Weg raus.

– Musik hilft Gefühle zuzulassen

glückliche Frau, die Musik am Strand hört
Dieser Tipp hat mir persönlich am meisten weitergeholfen.

Ich höre gern und viel Musik und lasse mich auch gern von dem Rhythmus und der Melodie treiben.

Musik kann uns helfen, unsere Gefühle anzunehmen, denn gerade das Thema Gefühle wird in der Musik häufig behandelt. Je nachdem, wonach dir gerade ist, kannst du unterschiedliche Musik hören.

Wenn dir z.B. danach ist, dich auszuheulen, kannst du traurige Musik hören, die dir quasi einen kleinen Ruck gibt, um deine Gefühle zu öffnen.

Du kannst auch schnelle, positive Musik hören, die deine gute Laune noch mehr steigern wird (versuch mal von Pharrell Williams – Happy) oder aber auch härtere Musik, wenn du mal Dampf ablassen musst.

Ich habe sehr viele traurige, herzzerreißende Lieder gehört, um den Verlust meines Vaters aufzuarbeiten und meine Gefühl zulassen zu können. Und es hat auch wirklich geklappt: ich bemerkte, dass der Druck, den ich in meiner Brust verspürte, durch meine unterdrückten Gefühle ausgelöst wurde.

Freunde hören gemeinsam Musik auf der Couch

Also beschloss ich, mir Rat zu holen und las viel im Internet über Gefühle und kam auf den Tipp mit der Musik.

Also hörte ich mir Lieder an, zu denen ich richtig losheulen konnte.

Nach einer gewissen Zeit ging es mir besser und ich spürte, wie eine innere Last von mir abgefallen ist.

Es geht nicht darum, sich immer glücklich zu fühlen, manchmal gibt es auch stürmische Zeiten, aber indem wir unsere Gefühle zulassen lernen, können wir auch besser mit solchen Situationen umgehen.

Gefühle zuzulassen ist menschlich und darauf sollten wir nicht verzichten.

Vergiss auch nicht, dass deine aktuelle Situation nicht das Ende der Reise ist.

Gefühle Zulassen - Warum Dies Wichtig Ist & Wie Dir Das Am Besten Gelingt