Das Traurigste ist, neben jemandem zu liegen und sich trotzdem nicht mehr geliebt zu fühlen
Ich hätte nie gedacht, dass man jemanden jeden Tag sehen und ihn trotzdem so schrecklich vermissen kann. Du bist da, nur irgendwie nicht mehr bei mir.
Abends liegst du neben mir, manchmal berühren sich sogar unsere Arme.
Und trotzdem habe ich mich selten in meinem Leben so allein gefühlt wie in diesen Momenten.
Früher war deine Nähe mein sicherster Ort. Heute drehe ich mich manchmal auf meine Seite und frage mich heimlich, wann genau wir aufgehört haben, uns wirklich zu erreichen.
Wir streiten nicht einmal ständig. Vielleicht wäre mir ein Streit inzwischen sogar lieber als diese Stille, denn wenigstens würde er bedeuten, dass zwischen uns noch etwas brennt.
Stattdessen reden wir über Termine, Einkäufe und Dinge, die erledigt werden müssen.
Wir funktionieren erstaunlich gut für zwei Menschen, die sich emotional kaum noch berühren.
Und genau das macht mich so traurig.
Ich kann niemandem einen einzelnen Moment nennen, an dem unsere Liebe verschwunden ist.
Vielleicht ist sie nicht einmal verschwunden, vielleicht ist sie einfach jeden Tag ein kleines Stück leiser geworden, bis ich sie irgendwann kaum noch hören konnte.
Ich vermisse dich, obwohl du jeden Abend neben mir liegst

Manchmal schaue ich dich an und erinnere mich daran, wie du früher mit mir gesprochen hast. Du hast mich angesehen, als wäre das, was ich sagte, tatsächlich wichtig für dich.
Heute erzähle ich dir etwas und merke schon mitten im Satz, dass du gar nicht richtig zuhörst.
Und irgendwann habe ich angefangen, Geschichten abzukürzen, weil ich das Gefühl nicht mehr ertragen konnte, dir egal zu sein.
Das tut mehr weh, als ich zugeben möchte.
Es sind keine großen Katastrophen, die mich traurig machen. Es sind diese winzigen Momente, in denen mir auffällt, wie weit wir uns voneinander entfernt haben.
Früher hast du meine Hand einfach genommen. Heute sitze ich manchmal direkt neben dir und weiß nicht einmal, ob dir auffallen würde, wenn ich aufstehe und den Raum verlasse.
Ich vermisse deine Fragen. Ich vermisse es, dass du wissen wolltest, wie mein Tag wirklich war und nicht nur, ob alles erledigt ist.
Am meisten vermisse ich die Frau, die ich bei dir einmal war. Diese Frau musste nicht darum kämpfen, gesehen zu werden.
Sie fühlte sich geliebt.
Heute ertappe ich mich dabei, wie ich kleine Gesten analysiere. Wenn du mich spontan umarmst, freue ich mich viel zu sehr darüber, weil solche Momente inzwischen so selten geworden sind.
Dann denke ich kurz, vielleicht ist doch noch alles da. Vielleicht habe ich mir die Entfernung nur eingebildet.
Doch am nächsten Abend ist wieder diese Wand zwischen uns.
Ich liege zehn Zentimeter von dir entfernt und könnte genauso gut auf einem anderen Kontinent sein.
Körperliche Nähe ist plötzlich nur noch Entfernung mit weniger Platz dazwischen.
Und ich hasse, dass ich mich inzwischen daran gewöhnt habe.
Ich habe aufgehört, dir zu sagen, wie sehr mir etwas fehlt

Am Anfang habe ich es versucht. Ich habe dir gesagt, dass ich dich vermisse, obwohl wir zusammen sind.
Ich habe dir erklärt, dass ich mehr Nähe brauche. Mehr Gespräche, mehr Berührungen und dieses Gefühl, dass wir nicht nur denselben Alltag teilen, sondern noch immer einander.
Du hast gesagt, du verstehst es. Vielleicht hast du es in diesem Moment sogar wirklich verstanden.
Ein paar Tage warst du aufmerksamer.
Und ich war so dankbar für Dinge, die früher ganz selbstverständlich zwischen uns waren.
Dann wurde wieder alles wie vorher.
Irgendwann wurde mir das Bitten peinlich. Ich wollte nicht die Frau sein, die ständig nach Zuneigung fragt. Also habe ich aufgehört.
Das bedeutet nicht, dass es mir plötzlich besser ging. Ich habe nur gelernt, meine Enttäuschung leiser zu tragen.
Wenn du mich nicht küsst, frage ich nicht mehr warum. Wenn du dich zurückziehst, tue ich so, als würde ich es nicht bemerken.
Vielleicht dachtest du deshalb irgendwann, dass alles wieder gut ist.
In Wirklichkeit hatte ich einfach keine Kraft mehr für dieselben Gespräche. Es ist erschöpfend, einem Menschen immer wieder erklären zu müssen, dass man sich in seiner Nähe einsam fühlt.
Denn was soll ich noch sagen?
Ich möchte nicht, dass du mich umarmst, weil ich dich daran erinnert habe. Ich möchte, dass du mich umarmst, weil du selbst das Bedürfnis danach hast.
Ich möchte nicht um Liebe bitten müssen, die sich einmal freiwillig angefühlt hat.
Und genau darin liegt mein größter Schmerz.
Ich will keine perfektere Beziehung. Ich will nur nicht ständig spüren, dass ich die Einzige bin, die merkt, wie viel zwischen uns verloren gegangen ist.
Das Schlimmste ist, dass ich angefangen habe, an mir selbst zu zweifeln

Vielleicht verlange ich zu viel.
Diesen Satz habe ich mir inzwischen so oft gesagt, dass ich manchmal selbst nicht mehr weiß, was normal ist.
Vielleicht sind Beziehungen nach ein paar Jahren eben so. Vielleicht verschwindet diese Nähe einfach und alle anderen akzeptieren es nur besser als ich.
Dann sehe ich Paare, die sich nach Jahren noch anschauen, als würden sie wirklich sehen, wer vor ihnen sitzt. Und plötzlich weiß ich wieder, dass ich mir nicht nur irgendein romantisches Märchen wünsche.
Ich wünsche mir nicht zu viel, ich wünsche mir nur, mich in meiner eigenen Beziehung wieder geliebt zu fühlen.
Trotzdem suche ich die Schuld oft bei mir.
Bin ich langweilig geworden? Habe ich mich verändert oder bin ich nicht mehr die Frau, die du einmal wolltest?
Diese Gedanken sind grausam.
Ich sehe mich im Spiegel und frage mich manchmal, ob du überhaupt noch bemerkst, wenn ich mich schön gemacht habe. Früher hast du Kleinigkeiten gesehen, heute könnte ich meine Haare komplett verändern und hätte Angst, dass du erst Tage später fragst, was anders ist.
Es ist erschreckend, wie schnell emotionale Kälte das eigene Selbstwertgefühl auffressen kann.
Denn irgendwann denkst du nicht mehr nur, dass die Beziehung sich verändert hat. Du beginnst zu glauben, dass vielleicht mit dir etwas nicht stimmt.
Dass du nicht interessant genug bist. Nicht schön genug, nicht leicht genug oder einfach nicht mehr liebenswert genug.
Tief in mir weiß ich, dass das nicht die Wahrheit sein kann.
Aber ein Herz wird müde, wenn es jeden Tag versucht, sich selbst davon zu überzeugen.
Ich weiß nicht, ob ich dich verlassen will, aber ich weiß, dass ich so nicht bleiben kann

Das ist der Teil meiner Beichte, den ich selbst am schwersten aussprechen kann.
Ich liebe dich vielleicht noch.
Vielleicht ist genau deshalb alles so schmerzhaft.
Wenn mir nichts mehr an dir liegen würde, wäre diese Einsamkeit wahrscheinlich viel leichter zu ertragen.
Doch ich erinnere mich noch an uns.
Ich erinnere mich daran, wie wir nachts viel zu lange geredet haben. Wie du mich festgehalten hast und ich damals wirklich geglaubt habe, genau hier für immer bleiben zu wollen.
Manchmal wünsche ich mir diese Zeit so sehr zurück, dass mir davon das Herz weh tut.
Aber ich weiß inzwischen auch, dass Erinnerungen keine Beziehung tragen können. Ich kann nicht mein ganzes Leben mit der Version von dir verbringen, die nur noch in meiner Vergangenheit existiert.
Ich brauche dich hier.
Nicht nur körperlich neben mir, sondern emotional bei mir.
Ich brauche keinen Mann, der jeden Abend im selben Bett schläft und mich trotzdem jeden Tag ein bisschen mehr vermissen lässt.
Ich brauche jemanden, bei dem ich mich nicht fragen muss, ob meine Gefühle überhaupt noch einen Platz haben.
Vielleicht können wir uns wiederfinden.
Vielleicht braucht es dieses eine ehrliche Gespräch, in dem wir beide endlich aufhören, so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Ich hoffe es.
Aber ich weiß auch etwas, das ich lange nicht wahrhaben wollte.
Liebe darf nicht bedeuten, dass ich jahrelang neben jemandem liege und mich dabei immer einsamer fühle.
Vielleicht werde ich irgendwann gehen müssen.
Nicht weil ich dich nie geliebt habe, sondern weil ich irgendwann anfangen muss, mich selbst genug zu lieben, um nicht mehr jeden Abend mit diesem Loch in meiner Brust einzuschlafen.
Und falls ich gehe, wird das wahrscheinlich nicht der Moment sein, in dem meine Liebe zu dir endet.
Es wird der Moment sein, in dem ich endlich akzeptiere, dass Liebe allein manchmal nicht reicht.
Denn das Traurigste ist nicht, allein einzuschlafen.
Das Traurigste ist, neben dem Menschen zu liegen, den man liebt, und sich trotzdem zu fragen, wann man für ihn aufgehört hat, sich geliebt anzufühlen.
