Wenn ich damals gewusst hätte, wer du wirklich bist, hätte ich dich sofort blockiert
Wenn ich dich heute noch einmal kennenlernen würde, bekämst du nicht einmal die Chance, mich ein zweites Mal zu verletzen.
Ich würde deine erste Nachricht lesen, auf mein Bauchgefühl hören und dich blockieren, bevor du überhaupt tief genug in mein Leben kommen könntest, um dort Chaos anzurichten.
Damals wusste ich es nicht besser. Ich sah deine Aufmerksamkeit, deine Worte und diese Art, wie du mir das Gefühl gegeben hast, endlich genau die Frau zu sein, auf die jemand gewartet hatte.
Heute sehe ich dieselben Erinnerungen anders.
Was sich damals wie Liebe angefühlt hat, war an manchen Stellen nur der Anfang von etwas, das mich später viel zu viel Kraft gekostet hat.
Und genau das ist die knallharte Wahrheit, die am meisten weh tut.
Ich vermisse nicht dich. Ich trauere manchmal um die Frau, die ich war, bevor ich lernen musste, dass ein Mensch wunderschön reden und dich trotzdem tief verletzen kann.
Ich hätte deine ersten Warnzeichen nicht mehr Romantisiert

Damals fand ich es intensiv, dass du so schnell so viel von mir wissen wolltest. Heute würde ich mich fragen, warum jemand mich nach wenigen Tagen behandelt, als wären wir seit Jahren füreinander bestimmt.
Du wolltest ständig schreiben, wissen, wo ich bin und mit wem ich Zeit verbringe.
Ich nannte es Interesse, obwohl mein Bauch manchmal längst gespürt hat, dass etwas daran zu viel war.
Ich erinnere mich noch daran, wie ich Freundinnen von dir erzählt habe. Ich war aufgeregt, weil du mir das Gefühl gegeben hast, endlich jemanden getroffen zu haben, der mich wirklich sieht.
Vielleicht wollte ich deshalb die kleinen Dinge nicht ernst nehmen. Deine Eifersucht wirkte zunächst fast schmeichelhaft und deine ständigen Fragen wie ein Zeichen dafür, dass ich dir wichtig war.
Heute weiß ich, dass Aufmerksamkeit allein noch keine Liebe ist.
Manchmal sieht Kontrolle am Anfang erschreckend ähnlich aus wie besonders großes Interesse.
Du hast früh getestet, wie weit du gehen kannst. Ein Kommentar über meine Kleidung hier, eine beleidigte Reaktion dort, wenn ich nicht sofort geantwortet habe.
Ich habe dich beruhigt, statt mich zu fragen, warum ich überhaupt einen erwachsenen Mann beruhigen muss, weil ich zwei Stunden mit einer Freundin unterwegs war.
Ich habe deine Unsicherheit zu meiner Aufgabe gemacht, bevor ich überhaupt gemerkt habe, dass ich damit begonnen hatte, mein eigenes Leben kleiner zu machen.
Damals hätte ich gesagt, dass jede Beziehung Kompromisse braucht. Heute weiß ich, dass ein Kompromiss nicht bedeutet, dass nur eine Person immer mehr von sich aufgibt.
Wenn ich dich heute kennenlernen würde, würde ich bei den ersten Schuldgefühlen hellhörig werden. Ich würde nicht mehr denken, dass ich einfach verständnisvoller sein muss.
Ich würde mich fragen, warum jemand, der mich angeblich liebt, so früh dafür sorgt, dass ich mich ständig erklären muss.
Und wenn mein Körper mir wieder dieses leise Gefühl geben würde, dass etwas nicht stimmt, würde ich diesmal nicht versuchen, es mit Hoffnung zu überreden.
Ich habe viel zu lange geglaubt, dass hinter deinem Verhalten Schmerz steckt

Vielleicht war genau das meine größte Schwäche bei dir. Ich wollte dich verstehen, selbst in Momenten, in denen du mich verletzt hast.
Wenn du kalt wurdest, dachte ich, du hättest Angst vor Nähe. Wenn du mich mit Worten trafst, suchte ich sofort nach der Wunde in deiner Vergangenheit, die dein Verhalten erklären könnte.
Ich habe deine Gründe gesucht, während du mir immer neue Gründe gegeben hast, mich selbst zu verlieren.
Natürlich wusste ich, dass du schwierige Dinge erlebt hattest. Du hattest mir davon erzählt und vielleicht hat genau das in mir diesen Wunsch ausgelöst, dir zu zeigen, dass Liebe auch anders sein kann.
Ich wollte der Mensch sein, bei dem du dich endlich sicher fühlst. Also blieb ich geduldig, wenn du dich zurückgezogen hast, und verzieh dir Dinge, die ich bei jeder Freundin sofort als Warnsignal erkannt hätte.
Das Verrückte daran ist, wie unterschiedlich man urteilt, wenn das eigene Herz beteiligt ist.
Bei anderen hätte ich gesagt: Geh. Bei mir selbst sagte ich immer wieder: Vielleicht braucht er nur noch ein bisschen Zeit.
Dieses „Vielleicht“ hat mich Monate gekostet. Vielleicht sogar länger, als ich heute gern zugeben möchte.
Du hast versprochen, dass du dich ändern würdest. Und jedes Mal, wenn du für ein paar Tage wieder liebevoll warst, dachte ich, jetzt hätte ich endlich den Mann zurück, den ich am Anfang kennengelernt hatte.
Heute frage ich mich manchmal, ob dieser Mann überhaupt jemals wirklich existiert hat.
Vielleicht war er nur die Version von dir, die nötig war, damit ich bleibe.
Diese Erkenntnis ist bitter.
Denn ich habe nicht nur um eine Beziehung gekämpft. Ich habe um eine Person gekämpft, von der ich ständig glaubte, sie müsse nur wieder zu mir zurückfinden.
Dabei war vielleicht ich diejenige, die zu sich selbst hätte zurückfinden müssen.
Irgendwann habe ich mich selbst kaum noch wiedererkannt

Ich war einmal eine Frau, die laut gelacht hat, ohne darüber nachzudenken, ob jemand ihren Humor peinlich findet.
Ich habe getragen, was mir gefallen hat, Pläne gemacht und mich nicht bei jedem Satz gefragt, wie er wohl beim anderen ankommt.
Mit dir wurde ich vorsichtiger.
Nicht über Nacht, sondern so langsam, dass ich es erst bemerkte, als ich bereits eine völlig andere Frau geworden war.
Ich überlegte, wann der richtige Moment für bestimmte Gespräche ist. Ich passte meine Worte an deine Stimmung an und entschied manchmal schon vorher, etwas lieber gar nicht anzusprechen.
Ich wollte keinen Streit auslösen. Irgendwann war Frieden für mich wichtiger geworden als Ehrlichkeit.
Doch es war kein echter Frieden.
Es war diese erschöpfende Ruhe, die entsteht, wenn eine Person lernt, sich selbst immer kleiner zu machen, damit der andere nicht explodiert oder sich entzieht.
Ich erinnere mich daran, wie ich manchmal nach einem Streit im Bad stand und mich im Spiegel angesehen habe. Ich wusste nicht mehr, warum ich mich eigentlich entschuldigt hatte.
Du hattest mich verletzt und trotzdem endete das Gespräch häufig damit, dass ich mich schuldig fühlte. Irgendwie gelang es dir, meine Reaktion größer erscheinen zu lassen als das, was sie ausgelöst hatte.
Das hat etwas mit mir gemacht.
Ich begann irgendwann, meinen eigenen Gefühlen weniger zu vertrauen als deiner Erklärung darüber, was ich angeblich fühlen sollte.
Und genau das macht mich heute wütend.
Nicht nur auf dich, sondern manchmal auch auf mich selbst, obwohl ich weiß, dass ich damals mit den Informationen gehandelt habe, die ich hatte.
Ich wünschte nur, ich könnte dieser Frau von damals sagen: Du bist nicht zu empfindlich. Du bist nicht schwierig und du verlangst nicht zu viel.
Du merkst nur gerade, dass jemand dir weniger gibt, als du brauchst, und dich dafür verantwortlich macht, dass es wehtut.
Heute würde ich dich blockieren, bevor ich wieder mich selbst verliere

Es gab eine Zeit, in der dein Name auf meinem Display mein Herz schneller schlagen ließ.
Heute würde ich wahrscheinlich kurz hinschauen, lächeln und auf „Blockieren“ drücken.
Nicht aus Hass.
Sondern weil ich inzwischen verstanden habe, dass Selbstschutz nicht grausam ist.
Früher dachte ich, starke Frauen geben Menschen Chancen. Heute weiß ich, dass starke Frauen auch wissen müssen, wann jemand keine weitere Chance verdient.
Ich brauche keine letzte Erklärung mehr von dir. Ich brauche auch keine Entschuldigung, die endlich perfekt genug formuliert ist, damit die Vergangenheit plötzlich weniger weh tut.
Vielleicht bereust du manches. Vielleicht auch nicht.
Das ist inzwischen nicht mehr mein Problem.
Meine Heilung darf nicht davon abhängen, ob du jemals verstehst, was du mir angetan hast.
Und weißt du, was daran fast traurig ist?
Es gab eine Zeit, in der ich alles getan hätte, damit du mich wieder so ansiehst wie am Anfang. Heute würde ich alles dafür tun, nie wieder eine Frau zu werden, die um so wenig Liebe kämpfen muss.
Ich habe gelernt, dass starke Anziehung keine Garantie für eine gute Beziehung ist.
Dass Entschuldigungen wertlos werden, wenn das Verhalten sich nicht verändert, und dass Liebe niemals verlangen sollte, dass du dich selbst dafür verlässt.
Wenn ich damals gewusst hätte, wer du wirklich bist, hätte ich dich sofort blockiert.
Aber vielleicht musste ich erst durch all das hindurchgehen, um die Frau zu werden, die heute keine Angst mehr davor hat, eine Tür zu schließen.
Ich würde dich heute nicht mehr retten wollen. Ich würde nicht mehr versuchen, deine Wunden zu verstehen, während du neue in mir hinterlässt.
Ich würde mich selbst wählen, bevor ich überhaupt anfangen müsste, mich wegen dir wiederzufinden.
Und vielleicht ist genau das mein endgültiger Sieg.
Nicht dass du zurückkommst, mich vermisst oder irgendwann begreifst, was du verloren hast.
Sondern dass du heute nicht mehr die Macht hättest, mich noch einmal zu der Frau zu machen, die ich neben dir geworden bin.
