frau zeigt halbes gesicht

Lieber Single als in einer Beziehung ohne Liebe

Ich habe lange geglaubt, dass es besser ist, nicht allein zu sein. Dass eine Beziehung, egal wie sie sich anfühlt, immer wertvoller ist als das Singleleben. 

Dass Nähe automatisch Liebe bedeutet. Und dass Zweifel einfach dazugehören.

Heute weiß ich: Das stimmt nicht.

Ich war in einer Beziehung, die nach außen funktionierte. Wir waren ein Paar. Wir hatten einen Alltag. 

Gemeinsame Termine, gemeinsame Gespräche, gemeinsame Gewohnheiten. Und trotzdem fühlte ich mich oft einsamer als je zuvor.

Dieses Gefühl hat mich lange begleitet. Still. Leise. Unauffällig. Und genau deshalb habe ich es so lange ignoriert.

Ich habe mich selbst überredet zu bleiben

traurige frau sitzt nachdeklich auf dem sofa

Am Anfang habe ich mir eingeredet, dass meine Erwartungen zu hoch sind. Dass Liebe nicht immer spürbar sein muss. Dass Sicherheit auch ohne Tiefe reicht.

Ich sagte mir, dass er mich ja nicht schlecht behandelt. Dass er da ist. Dass er bleibt. Und dass das doch etwas bedeutet.

Aber innerlich begann ich zu schrumpfen. Ich stellte meine Bedürfnisse hinten an, relativierte meine Sehnsucht und erklärte mir selbst, warum das, was mir fehlte, eigentlich gar nicht so wichtig sein sollte.

Ich blieb nicht, weil ich glücklich war.

Ich blieb, weil ich Angst hatte, allein zu sein.

Und diese Erkenntnis tat weh.

Weil sie mir zeigte, wie oft ich mich selbst übergangen hatte. Wie oft ich geblieben bin, obwohl mein Bauch längst gegangen war. Ich hatte gelernt, mich selbst zu überzeugen, statt mir zuzuhören. 

Dieses Bleiben hatte nichts mit Stärke zu tun, sondern mit Angst. Und genau dort begann der Moment, in dem ich mir zum ersten Mal wirklich wichtig wurde.

Die Einsamkeit in einer lieblosen Beziehung

traurige blonde frau

Es gibt eine besondere Form von Einsamkeit, über die kaum jemand spricht. Die Einsamkeit, die entsteht, obwohl man nicht allein ist.

Ich saß neben ihm und fühlte mich nicht gesehen. Ich erzählte von meinem Tag und merkte, dass meine Worte ihn nicht wirklich erreichten. 

Ich sehnte mich nach Nähe, nach echter Verbindung, nach einem Gefühl von „Ich bin gemeint“.

Stattdessen bekam ich Gewohnheit. Routine. Funktionieren.

Und irgendwann begann ich mich zu fragen, warum ich mich selbst so sehr vermisse, obwohl ich doch in einer Beziehung bin.

Diese Einsamkeit ist schwer zu erklären. Nach außen wirkt alles normal. Doch innen wird es still. Leer. Und kalt.

Diese Art von Einsamkeit lässt sich kaum erklären, weil sie nach außen unsichtbar bleibt. Man lacht, man funktioniert, man macht weiter und fühlt sich innerlich trotzdem leer. 

Ich habe mich oft gefragt, ob mit mir etwas nicht stimmt, weil mir „doch eigentlich nichts fehlt“. Erst viel später verstand ich, dass emotionale Abwesenheit schmerzhafter sein kann als körperliches Alleinsein. 

Denn dort, wo Liebe fehlen sollte, blieb nur Stille. Und diese Stille wurde mit der Zeit immer schwerer zu tragen.

Warum ich dachte, Liebe müsste sich anders anfühlen

frau am fenster alleine

Ich redete mir ein, dass Liebe reifer wird. Ruhiger. Weniger intensiv. Dass das Kribbeln verschwindet und etwas Stabiles zurückbleibt.

Aber das, was ich erlebte, war nicht Ruhe. Es war Abwesenheit. Nicht Sicherheit. Sondern Gleichgültigkeit.

Ich spürte keinen Wunsch mehr, mich mitzuteilen. Keine Vorfreude. Kein inneres Aufblühen, wenn er da war. 

Und ich merkte, wie ich anfing, mich emotional zurückzuziehen, um nicht ständig enttäuscht zu sein.

Liebe sollte sich nicht wie ein Aushalten anfühlen. Nicht wie ein Kompromiss gegen das eigene Herz.

Dieses falsche Bild von Liebe hat mich lange festgehalten. Ich glaubte, dass mein Zweifel ein Zeichen von Reife sei, nicht von Mangel. 

Dass Sehnsucht kindisch ist und Zufriedenheit leise sein muss. Also redete ich mir ein, dass das Ziehen in meiner Brust normal sei. 

Dass Liebe eben nicht immer warm ist. 

Heute weiß ich, dass ich damals nicht zu viel erwartet habe, sondern zu wenig bekommen.

Der Moment, in dem ich ehrlich zu mir wurde

frau denkt intensiv nach

Der Wendepunkt kam nicht laut. Kein Streit. Kein Drama. Sondern ein stiller Moment, in dem ich mir eine einfache Frage stellte:

Wenn sich nichts mehr ändert, kann ich so glücklich werden?

Und die Antwort war ein klares Nein.

Nicht aus Wut. Nicht aus Trotz. Sondern aus tiefer Traurigkeit. Ich erkannte, dass ich mich selbst verlassen hatte, um in dieser Beziehung zu bleiben.

Ich hatte mich angepasst. Runtergeschraubt. Still gemacht. Und genau das war der Preis, den ich nicht länger zahlen wollte.

Warum Single sein für mich kein Scheitern ist

frau liegt auf dem bett

Als ich ging, hatte ich Angst. Angst vor dem Alleinsein. Vor den stillen Abenden. Vor dem Gefühl, niemanden zu haben.

Doch das Gegenteil trat ein.

Ich begann, wieder zu atmen. Mich zu spüren. Meine eigenen Gedanken ernst zu nehmen. Ich fühlte mich nicht mehr allein, sondern frei.

Single zu sein bedeutete für mich nicht, dass ich unvollständig bin.

Es bedeutete, dass ich mich nicht länger selbst verrate.

Ich lernte, dass Liebe nicht darin besteht, jemanden zu haben. Sondern sich selbst nicht zu verlieren.

Was ich heute über Liebe weiß

besorgte frau mit roten haaren

Liebe ist kein Zustand, den man sich schönreden muss. Sie fühlt sich nicht leer an. Sie macht nicht klein. Sie verlangt nicht, dass man sich selbst ständig infrage stellt.

Liebe darf ruhig sein, aber nicht kalt. Sie darf leise sein, aber nicht gleichgültig.

Heute weiß ich: Ich bin lieber Single als in einer Beziehung ohne Liebe. Nicht, weil ich keine Nähe will. Sondern weil ich echte Nähe verdiene.

Und bis sie kommt, bin ich lieber bei mir.

Ich habe gelernt, dass Alleinsein nicht automatisch Einsamkeit bedeutet. Dass Stille auch Frieden sein kann. 

In dieser Zeit habe ich mich selbst besser kennengelernt, meine Grenzen klarer gespürt und meine Bedürfnisse ernster genommen. 

Ich habe verstanden, dass Liebe dort beginnt, wo man sich selbst nicht mehr verlässt. 

Und genau aus dieser Haltung heraus möchte ich eines Tages wieder lieben, nicht aus Mangel, sondern aus innerer Fülle.

Vielleicht erkennst du dich in diesen Zeilen wieder. Vielleicht auch nicht. Aber wenn du das Gefühl hast, dass dein Herz in deiner Beziehung keinen Platz mehr hat, dann nimm dieses Gefühl ernst.

Allein zu sein ist nicht das Gegenteil von Liebe. Sich selbst zu verlieren, das ist es. Und manchmal ist der mutigste Akt nicht zu bleiben, sondern zu gehen.

Mehr zum Thema