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Warum es so tief schmerzt, jemanden zu vermissen, der nie ganz dir gehörte

Ich hätte nie gedacht, dass etwas, das nie offiziell begonnen hat, so sehr zerbrechen kann. Es gab keinen Jahrestag, keinen gemeinsamen Schlüssel, kein klares „Wir“. 

Und trotzdem fühlt es sich an, als hätte ich eine ganze Zukunft verloren.

Vielleicht ist es genau das, was diesen Schmerz so schwer greifbar macht. Es gibt keine Fotos, die man wegräumen muss. Keine gemeinsamen Verträge, die aufgelöst werden. 

Nur Erinnerungen an Gespräche, an Blicke, an dieses unausgesprochene Gefühl, dass da etwas hätte wachsen können.

Ich trauere nicht um eine Beziehung. Ich trauere um eine Möglichkeit. Um ein „Vielleicht“, das sich für mich wie ein „Fast“ angefühlt hat. 

Und dieses „Fast“ wiegt manchmal schwerer als jedes klare Ende.

Es schmerzt, weil es nie einen klaren Abschied gab und mein Herz keinen Punkt setzen konnte

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Als du dich langsam entfernt hast, gab es kein Gespräch, das alles beendete. Kein dramatisches „Es ist vorbei“. 

Es war eher ein leises Verschwinden, ein schleichendes Wenigerwerden von Nähe, Aufmerksamkeit und Wärme.

Ich wusste nie genau, wann ich dich verloren habe. War es der Moment, in dem deine Nachrichten kürzer wurden? 

Oder der Abend, an dem du sagtest, du brauchst Zeit? Vielleicht war es auch nur mein Gefühl, das früher verstanden hat als mein Verstand.

Dieser fehlende Abschluss lässt mich bis heute in Gedanken zurückgehen. Ich suche nach einem Punkt, an dem ich hätte anders handeln können. 

Nach einem Satz, der alles erklärt hätte. Aber es gibt nur Auslassungszeichen. Und mit Auslassungszeichen kann man nicht abschließen.

Es schmerzt, weil ich mehr gefühlt habe, als ich je zeigen durfte und meine Liebe im Verborgenen blieb

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Ich habe mich oft selbst gebremst. Habe meine Sehnsucht klein geredet, damit sie dich nicht verschreckt. Habe mir eingeredet, dass weniger Nähe auch reicht, solange du überhaupt da bist.

Ich wollte nicht die Frau sein, die zu viel will. Also habe ich meine Wünsche leiser gemacht. Meine Fragen geschluckt. Meine Unsicherheit hinter Lächeln versteckt.

Und jetzt sitze ich hier mit all diesen unausgesprochenen Gefühlen. Mit Worten, die nie den Mut hatten, deine Ohren zu erreichen. 

Vielleicht tut es so weh, weil meine Liebe nie wirklich Raum bekommen hat. Sie war da, aber sie durfte nicht wachsen.

Meine Gefühle hatten keinen Raum, kein Licht, keine Bestätigung. Sie existierten nur zwischen meinen Gedanken und meinem Mut, der nie ganz gereicht hat. 

Ich habe dich leise geliebt. Vorsichtig. Mit angezogener Handbremse. Immer darauf bedacht, dich nicht zu überfordern, dich nicht zu verlieren, bevor ich dich überhaupt richtig hatte.

Diese stille Liebe hat sich in mir aufgestaut. Sie durfte nicht fließen, also ist sie geblieben – schwer, unausgesprochen, unfertig. 

Und jetzt, wo du weg bist, trägt niemand außer mir das Gewicht von dem, was ich für dich empfunden habe.

Es schmerzt, weil ich in der Hoffnung gelebt habe, dass aus einem Vielleicht irgendwann ein„Für-immer“ wird

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Ich habe mir vorgestellt, wie es hätte sein können. Wie du meine Hand nimmst, ohne zu zögern. Wie du mich vorstellst, ohne zu erklären, was wir sind. 

Wie wir irgendwann nicht mehr zwischen Nähe und Abstand schwanken.

Diese Bilder waren nur in meinem Kopf – und doch waren sie so lebendig. Ich habe mit ihnen gelebt, sie genährt, sie verteidigt. Selbst dann, wenn die Realität nicht mithalten konnte.

Vielleicht habe ich mich mehr in die Vorstellung von uns verliebt als in das, was tatsächlich war. Aber Gefühle unterscheiden nicht zwischen Fantasie und Realität. 

Sie reagieren auf das, was wir hoffen. Und meine Hoffnung war stärker als jede Unsicherheit.

Es schmerzt, weil ich mich selbst ein Stück weit verloren habe, während ich dich festhalten wollte

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Ich habe gewartet. Auf Nachrichten. Auf Zeichen. Auf ein klares Bekenntnis. Ich habe meinen Kalender offengehalten, meine Pläne angepasst, meine Bedürfnisse heruntergeschraubt.

Nicht, weil du es verlangt hast, sondern weil ich dich nicht verlieren wollte. Ich dachte, wenn ich nur geduldig genug bin, wenn ich nur verständnisvoll genug bin, dann wirst du bleiben.

Doch während ich versuchte, dich zu halten, habe ich mich selbst ein Stück losgelassen. Habe meine Grenzen verschoben, meine Intuition ignoriert. 

Und jetzt frage ich mich, warum ich mich so klein gemacht habe für jemanden, der nie ganz bleiben wollte.

Vielleicht vermisse ich nicht nur dich. Vielleicht vermisse ich auch die Version von mir, die sich selbst nicht infrage gestellt hat.

Und vielleicht ist genau das die schmerzhafteste Erkenntnis: Dass ich dich halten wollte, und dabei mich selbst losgelassen habe.

Ich habe meine Intuition überhört, wenn sie mir zuflüsterte, dass etwas nicht stimmt. Habe meine Bedürfnisse verschoben, damit deine nicht in Frage gestellt werden. 

Habe Verständnis gezeigt, wo ich eigentlich Klarheit gebraucht hätte.

Mit jedem Kompromiss wurde ich ein bisschen leiser. Mit jedem Warten ein bisschen unsicherer. Ich habe mich angepasst, reduziert, zurückgenommen, in der Hoffnung, dass weniger von mir mehr von dir bedeutet.

Und jetzt stehe ich da und merke, dass ich nicht nur dich verloren habe. Sondern auch Teile von mir, die ich erst langsam wieder einsammeln muss.

Es schmerzt, weil ich weiß, dass ich mehr verdient hätte, als halbe Nähe und unsichere Versprechen

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In ruhigen Momenten weiß ich, dass ich jemanden verdient hätte, der mich klar wählt. Der keine Zweifel hat, wenn es um mich geht. 

Der nicht zwischen Nähe und Distanz pendelt, als wäre ich eine Option unter vielen.

Und trotzdem habe ich dich gewollt. Habe deine Unsicherheit entschuldigt, deine Zurückhaltung analysiert, deine Distanz erklärt.

Ich habe mir eingeredet, dass Liebe Geduld braucht. Dass echte Verbindungen Zeit brauchen. Dass ich nur stark genug sein muss, um zu warten.

Doch Liebe sollte sich nicht wie ein ständiger Test anfühlen. Sie sollte kein Rätsel sein, das man lösen muss, um endlich Sicherheit zu bekommen.

Vielleicht schmerzt es so sehr, weil ich tief in mir wusste, dass ich mehr wert bin – und trotzdem geblieben bin. Weil ich gehofft habe, dass du irgendwann erkennst, was ich dir längst gegeben hatte.

Und vielleicht liegt genau darin die Wahrheit:

Ich vermisse nicht nur dich. Ich vermisse die Zukunft, die ich mir mit dir ausgemalt habe. Die Version von uns, die nie existierte, aber in meinem Herzen so echt war, dass ihr Verlust sich anfühlt wie ein endgültiger Abschied.

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