frau geht weg

Wenn er entscheidet wann du wichtig bist, hör auf zu warten und geh

Ich habe lange gebraucht, um diesen Satz zu verstehen. Noch länger, um ihn zu akzeptieren. Denn solange man liebt, redet man sich vieles schön. 

Man wartet. Man hofft. Man glaubt, dass es nur eine Phase ist, dass es bald wieder anders wird. Dass man nur geduldiger sein muss, verständnisvoller, leiser. Ich habe mir eingeredet, dass Nähe nichts mit Priorität zu tun hat. 

Dass Liebe auch in Pausen existieren kann. Dass Menschen eben unterschiedlich sind.

Aber die Wahrheit ist härter. Und klarer. Wenn jemand entscheidet, wann du wichtig bist, bist du es nicht wirklich. 

Nicht konstant. Nicht verlässlich. Nicht auf Augenhöhe. 

Und genau darüber möchte ich sprechen. Nicht aus Bitterkeit, sondern aus Klarheit. Nicht als Angriff, sondern als Bekenntnis einer Frau, die zu lange geblieben ist und sich dabei selbst verloren hat.

Ich habe gelernt zu warten statt zu leben

traurige frau wartet alleine

Warten wurde mein Zustand. Nicht bewusst, nicht geplant, sondern schleichend. Ich wartete auf Nachrichten, auf Anrufe, auf Zeichen. 

Ich wartete darauf, dass er Zeit hatte, dass er den Kopf frei hatte, dass es gerade passte. 

Mein Alltag begann sich nach seinen Verfügbarkeiten zu richten. Nicht aus Zwang, sondern aus Hoffnung.

Ich sagte Verabredungen ab, hielt mir Abende frei, blieb innerlich auf Standby. Immer mit dem Gedanken, dass es ja heute sein könnte. Dass er sich meldet. Dass ich wieder wichtig bin. 

Und je länger dieses Warten dauerte, desto normaler fühlte es sich an. Als wäre Geduld ein Liebesbeweis. Als wäre mein Stillhalten ein Zeichen von Reife.

Dabei habe ich nicht gemerkt, wie sehr dieses Warten mich vom Leben entfernt hat. Ich war körperlich anwesend, aber innerlich gebunden. 

Nicht an ihn als Menschen, sondern an die Möglichkeit, dass er mich wieder wählt. Und das ist kein Zustand, der nährt. Das ist ein Zustand, der langsam leer macht.

Ich funktionierte, aber ich lebte nicht mehr wirklich. Meine Gedanken kreisten weniger um mich als um sein mögliches Auftauchen.

Selbst Momente, die eigentlich mir gehörten, fühlten sich nur geliehen an. Ich hielt mich innerlich zurück, um jederzeit verfügbar zu sein.

Dieses permanente Bereitsein machte mich müde auf eine stille Art. Und erst spät begriff ich, wie viel Kraft es kostet, ständig auf Bedeutung zu warten.

Ich habe meine Bedürfnisse immer weiter nach hinten geschoben

traurige frau sitzt auf dem sofa

Am Anfang habe ich sie noch ausgesprochen. Vorsichtig, aber ehrlich. Ich habe gesagt, dass mir Verlässlichkeit wichtig ist. Dass ich mir wünsche, mich nicht ständig zu fragen, wo ich stehe. 

Ich habe versucht, nicht fordernd zu wirken, nicht zu viel zu sein. Ich habe meine Worte weich verpackt, meine Erwartungen relativiert.

Doch irgendwann habe ich aufgehört, sie zu äußern. Nicht, weil sie verschwunden waren, sondern weil ich gelernt habe, dass sie keinen Raum bekommen. Dass sie stören. Dass sie unbequem sind. 

Also habe ich sie verschoben. Erst auf später. Dann auf irgendwann. Und irgendwann auf gar nicht mehr.

Ich habe mich selbst davon überzeugt, dass ich weniger brauche. Dass Nähe nicht so wichtig ist. Dass Klarheit überschätzt wird. 

Doch in Wahrheit habe ich mich angepasst, um nicht verlassen zu werden. Und dabei habe ich etwas viel Wichtigeres verloren als ihn: den Kontakt zu mir selbst.

Ich habe an Ausreden geglaubt, weil die Wahrheit zu weh tat

junge frau traurig

Er war beschäftigt. Er war gestresst. Er war nicht gut im Kommunizieren. Er hatte schlechte Erfahrungen. Er brauchte Freiheit. 

Ich habe jede Erklärung angenommen, solange sie mir Hoffnung gelassen hat. Hoffnung darauf, dass sein Verhalten nichts mit meinem Wert zu tun hat.

Und vielleicht hatte es das tatsächlich nicht. Aber es hatte sehr wohl etwas mit seiner Fähigkeit zu tun, Verantwortung für Nähe zu übernehmen. 

Ich habe lange nicht unterscheiden können zwischen Verständnis und Selbstverleugnung. Zwischen Geduld und Selbstaufgabe.

Denn Verständnis darf nicht bedeuten, dass man sich selbst immer wieder zurückstellt. Dass man akzeptiert, nur dann wichtig zu sein, wenn es gerade passt. Dass man sich mit Resten von Aufmerksamkeit zufriedengibt, während man innerlich verhungert. 

Irgendwann habe ich gemerkt: Ich verteidige ihn mehr als mich. Und das war der Moment, in dem etwas in mir begonnen hat, aufzuwachen.

Ich habe mich gefragt warum ich um Selbstverständliches kämpfe

traurige frau denkt ueber mann nach

Es gab Tage, an denen ich mich selbst nicht mehr verstanden habe. Warum tut mir das so weh, habe ich mich gefragt. Warum bin ich so sensibel. Warum reicht mir das nicht. 

Ich habe die Schuld bei mir gesucht, weil das einfacher war, als zu akzeptieren, dass etwas Grundlegendes fehlt.

Aber Liebe sollte kein Kampf um Aufmerksamkeit sein. Kein Ringen um Bedeutung. Kein ständiges Hoffen, dass man diesmal gewählt wird. 

Wenn du dich regelmäßig fragen musst, ob du wichtig bist, dann ist das bereits die Antwort.

Ich habe erkannt, dass ich nicht zu viel wollte. Ich wollte das Richtige. Ich wollte Beständigkeit. Präsenz. Ein Gefühl von Dazugehören. 

Und all das sind keine überzogenen Erwartungen. Es sind die Grundlagen von Verbindung. Alles andere ist Unsicherheit, die sich als Beziehung tarnt.

Ich erkenne dass Wichtigkeit kein Zustand auf Abruf ist

frau in einer blumenwiese

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir eines: Wichtigkeit ist kein Geschenk, das man gelegentlich erhält. Sie ist kein Bonus. Kein Belohnungssystem. Kein „Jetzt passt es gerade“.

Entweder jemand integriert dich in sein Leben, oder er tut es nicht. Alles dazwischen ist Unsicherheit mit emotionaler Bindung. Und genau das macht müde. Leer. Zerrissen.

Ich beginne zu verstehen, dass mein innerer Konflikt kein Zeichen von Schwäche ist. Sondern ein Signal. 

Ein Hinweis darauf, dass etwas nicht im Gleichgewicht ist. Dass ich mich nicht danach sehne, mehr geliebt zu werden, sondern eindeutiger.

Ich schreibe diesen Text nicht, weil ich schon alles weiß. Sondern weil ich beginne, ehrlich hinzusehen. 

Wenn jemand entscheidet, wann du wichtig bist, dann liegt die eigentliche Entscheidung irgendwann bei dir. Nicht sofort. Nicht laut. Sondern still.

Hör auf zu warten, nicht zwingend auf ihn, sondern auf den Moment, in dem du dir selbst glaubst.

Denn dein Gefühl irrt sich nicht. Und Wichtigkeit sollte kein Zustand sein, den man sich erhofft, sondern einer, den man spürt.

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