frau ghosting

Warum sieben von zehn Menschen in Europa schon einmal jemanden geghostet haben 

Ein Match, ein paar Nachrichten, vielleicht sogar ein schönes erstes Date. Und dann: nichts mehr.

Keine Antwort, keine Erklärung, einfach Stille. Für viele Menschen gehört genau dieses Erlebnis inzwischen zum Dating-Alltag dazu.

Eine europaweite Umfrage unter Menschen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien zeigt, wie verbreitet Ghosting tatsächlich ist. 

Etwa 65 Prozent der Befragten haben diese Erfahrung bereits gemacht, und insgesamt waren sieben von zehn Befragten schon einmal Opfer dieses Verhaltens.

Was einst als Ausnahme galt, ist längst zur traurigen Normalität geworden. Höchste Zeit, genauer hinzusehen, warum das so ist.

Was Ghosting eigentlich bedeutet

handy weiss

Der Begriff stammt aus dem Englischen und beschreibt genau das, wonach er klingt: Eine Person verschwindet wie ein Geist aus dem Leben einer anderen.

Nachrichten bleiben unbeantwortet, Anrufe werden ignoriert, jede Verbindung wird kommentarlos gekappt. Kein Streit, keine Aussprache, einfach nur Schweigen.

Was diese Form des Kontaktabbruchs so besonders schmerzhaft macht, ist gerade das Fehlen jeder Erklärung. Man bleibt mit offenen Fragen zurück, die niemand mehr beantworten wird.

Warum Ghosting online so viel leichter fällt

frau wird geghosted

Ein Bildschirm zwischen zwei Menschen verändert einiges. Wer jemandem nie persönlich gegenübersaß, empfindet weniger Verpflichtung, sich zu erklären.

Dating Apps verstärken diesen Effekt zusätzlich. Bei einer scheinbar endlosen Auswahl an neuen Kontakten wirkt eine einzelne Verbindung schnell austauschbar. 

Warum sich die Mühe eines unangenehmen Gesprächs machen, wenn ein neues Match nur einen Wisch entfernt ist?

Diese digitale Distanz erklärt einen großen Teil davon, warum Ghosting gerade im Online-Dating so viel häufiger vorkommt als in Beziehungen, die persönlich begonnen haben.

Die Angst vor Konflikten steckt oft dahinter

weisses display

Viele, die ghosten, tun das nicht aus Bosheit, sondern aus Vermeidung.

Ein ehrliches Gespräch über fehlendes Interesse fühlt sich für viele Menschen unangenehm an. Man müsste Verantwortung übernehmen, vielleicht mit Enttäuschung oder Nachfragen umgehen. 

Verschwinden erscheint da als der einfachere Ausweg.

Das erklärt Ghosting, entschuldigt es aber nicht. Denn während es für die eine Seite bequem ist, hinterlässt es bei der anderen oft tiefe Verunsicherung.

Wie sich Ghosting auf die Betroffenen auswirkt

frau mit handy geschockt

Wer geghostet wird, verliert nicht nur einen möglichen Partner. Er verliert auch die Möglichkeit, die Situation zu verstehen.

War es etwas, das ich gesagt habe? Habe ich etwas falsch gemacht? 

Ohne Antworten füllt der eigene Kopf diese Lücken oft mit den unangenehmsten Erklärungen.

Diese Ungewissheit kann länger nachwirken als eine offene Zurückweisung. Ein klares Nein tut zwar weh, gibt aber wenigstens Klarheit. 

Schweigen dagegen lässt Raum für endlose Selbstzweifel.

Wer besonders häufig ghostet und geghostet wird

mehrere handys

Interessant ist auch, wie unterschiedlich Ghosting je nach Land und Geschlecht verteilt ist. 

In Frankreich berichten 60 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer von eigener Erfahrung im Ghosten, in Deutschland liegt das Verhältnis bei 50 zu 29 Prozent.

Frauen geben demnach häufiger zu, selbst schon einmal geghostet zu haben als Männer. Das widerspricht dem verbreiteten Klischee, wonach vor allem Männer für plötzliches Verschwinden bekannt sind.

Diese Zahlen zeigen: Ghosting ist kein Verhalten, das sich einem Geschlecht zuschreiben lässt. 

Es ist ein Symptom einer Dating-Kultur, die Verbindlichkeit zunehmend schwer macht, für alle Seiten gleichermaßen.

Wie man mit Ghosting umgehen kann

frau mit handy in ihrer hand traurig

So schmerzhaft es ist, die wichtigste Erkenntnis lautet: Ghosting sagt selten etwas über den eigenen Wert aus. 

Es sagt viel mehr über die Kommunikationsfähigkeit der anderen Person aus.

Es hilft, sich nicht in endlosen Spekulationen zu verlieren, warum jemand verschwunden ist. Oft gibt es keine tiefere Bedeutung, nur Bequemlichkeit oder Überforderung auf der anderen Seite.

Wer selbst kein Interesse mehr hat, kann sich bewusst dafür entscheiden, anders zu handeln. 

Eine kurze, ehrliche Nachricht kostet nur wenig Mühe, hinterlässt beim Gegenüber aber deutlich weniger Verwirrung als völliges Schweigen.

Zum Mitnehmen

Ghosting ist zu einem festen Bestandteil des modernen Datings geworden, gerade weil digitale Distanz es so einfach macht, einfach zu verschwinden.

Doch so verbreitet es ist, es bleibt eine Wahl. Eine Wahl für Bequemlichkeit statt Ehrlichkeit. 

Wer selbst schon einmal geghostet wurde, kann daraus lernen, es beim nächsten Mal anders zu machen und ehrliche Klarheit über schweigendes Verschwinden zu stellen.

Mehr zum Thema