Ich liebe einen verheirateten Mann – und diese Liebe macht mich kaputt
Nein, als ich ein kleines Mädchen war, habe ich nie davon geträumt, eines Tages in einen verheirateten Mann verliebt zu sein.
Nein, ich möchte auch heute nicht nachts von ihm träumen und daran denken, dass er zu einer anderen Frau gehört.
Nein, ich möchte nicht mit der Gewissheit leben, dass wir beide keine Zukunft haben. Ich weiß, dass der Ring an seinem Finger ein Versprechen an eine andere Frau ist.
Eine Frau, die ich nicht bin.
Und genau das tut so verdammt weh. Mein Herz blutet nicht mehr, denn es ist in Stücke gerissen.
Ja, ich liebe einen verheirateten Mann – und genau diese Liebe macht mich kaputt.
Wie man in eine Situation rutscht, die man nie wollte

Ich habe mir diese Situation nicht ausgesucht. Ich habe sie mir nicht gewünscht, nicht geplant und ganz sicher nicht romantisiert. Sie ist passiert.
Am Anfang war da einfach ein Mensch, der mir nah war, Gespräche, die leicht fielen, und dieses Gefühl, gesehen zu werden.
Es waren keine großen Gesten, sondern kleine Momente, die Nähe geschaffen haben.
Gemeinsames Lachen, ehrliche Gespräche, dieses stille Verstehen, das man nicht erklären muss. Nichts davon fühlte sich falsch an, eher vertraut und überraschend richtig.
Irgendwann wurden aus Momenten Gefühle und aus Gefühlen Liebe. Nicht plötzlich, sondern schrittweise. So leise, dass ich lange dachte, ich hätte alles im Griff.
Niemand entscheidet sich bewusst dafür, einen verheirateten Mann zu lieben.
Es ist kein Ziel und kein Lebensplan, sondern etwas, das sich einschleicht. Man redet sich ein, dass man stark genug ist, dass man die Realität kennt und mit ihr umgehen kann. Man glaubt, Gefühle dosieren zu können, sie zu begrenzen, sie im Zaum zu halten.
Doch Gefühle lassen sich nicht kontrollieren, wenn sie einmal da sind.
Sie wachsen trotz Vernunft, trotz besserem Wissen, trotz aller inneren Warnungen.
Anfangs fühlt sich alles leicht an, fast harmlos. Erst später beginnt man zu spüren, dass diese Nähe einen Preis hat. Nicht, weil man blind ist, sondern weil man hofft, dass es irgendwie gut ausgehen könnte.
Ein Trugschluss, den ich erst erkannt habe, als ich emotional längst zu tief drinsteckte.
Die Rolle, die einen langsam klein macht

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich verändere. Nicht von heute auf morgen, sondern schleichend.
Ich wurde vorsichtiger mit meinen Worten, leiser mit meinen Bedürfnissen, verständnisvoller, als ich es mir selbst gegenüber je war.
Ich habe gelernt zu warten und mich mit kurzen Momenten zufriedenzugeben. Zeitfenster wurden zu etwas Kostbarem, obwohl sie mir gleichzeitig zeigten, welchen Platz ich wirklich einnahm.
Ich war die Frau ohne Forderungen, ohne klare Ansprüche, ohne das Recht auf eine gemeinsame Zukunft.
Ich habe mich selbst immer wieder daran erinnert, dass ich ja wusste, worauf ich mich eingelassen habe. Und trotzdem tat es weh.
Denn Wissen schützt nicht vor Enttäuschung.
Ich wusste, dass ich nicht die Frau bin, zu der er nach Hause geht, nicht die Frau, die offiziell an seiner Seite steht. Und dennoch habe ich mich innerlich gebunden, tiefer, als ich mir eingestehen wollte.
Genau das macht diese Situation so schmerzhaft.
Man ist emotional voll da, investiert Gefühle, Gedanken und Hoffnung, ist aber im Leben des anderen nur ein Teil.
Wichtig vielleicht, aber nie Priorität.
Mit der Zeit beginnt man, sich selbst infrage zu stellen. Man überlegt, ob man zu viel erwartet, ob man überempfindlich ist oder ob man einfach dankbarer sein sollte für das, was es gibt.
Dabei möchte man eigentlich nichts Ungewöhnliches.
Keine perfekten Versprechen, keine unrealistischen Träume. Nur eine Beziehung ohne Verstecken, ohne Warten, ohne das ständige Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.
Doch genau das bleibt einem verwehrt. Und langsam, fast unbemerkt, wird man kleiner, als man einmal war.
Zwischen Hoffnung und Realität

Was diese Liebe so erschöpfend macht, ist nicht nur der Schmerz, sondern die ständige Unsicherheit.
Dieses Leben zwischen zwei Welten, in dem nichts klar ist und doch alles Bedeutung bekommt.
Nähe fühlt sich intensiv an, aber sie ist nie verlässlich. Hoffnung flackert immer wieder auf, oft ausgelöst durch Worte, Blicke oder Versprechen, die mehr andeuten, als sie tatsächlich halten können.
Man beginnt, Kleinigkeiten überzubewerten.
Jede Nachricht wird analysiert, jede Geste auf ihre Bedeutung geprüft. Man fragt sich, was er wirklich meint und was man vielleicht nur hineininterpretiert.
Hoffnung wird dabei zu etwas Gefährlichem, weil sie einen festhält, obwohl man innerlich längst müde ist. Sie gibt einem das Gefühl, dass sich alles noch wenden könnte, während die Realität still und unbeweglich bleibt.
Gleichzeitig weiß man, dass Zeit vergeht. Eigene Zeit. Lebenszeit.
Man lebt in einem ständigen Dazwischen, ohne klare Richtung. Weder ganz drin noch wirklich draußen.
Dieses Schweben macht müde, weil man nie ankommt. Man wartet auf einen Moment, der vielleicht nie kommt, und merkt dabei kaum, wie viel Kraft dieses Warten kostet.
Die Zerrissenheit zwischen dem, was man fühlt, und dem, was realistisch ist, hinterlässt Spuren.
Es ist nicht ein großer Knall, der einen kaputtmacht, sondern dieses dauerhafte Spannungsfeld.
Nähe, die tröstet, und Abstand, der schmerzt. Hoffnung, die trägt, und Realität, die immer wieder ernüchtert. Genau darin liegt die Erschöpfung dieser Liebe.
Wenn man beginnt, sich selbst wieder wichtig zu nehmen

Irgendwann kommt ein Punkt, an dem man innehält. Kein dramatischer Wendepunkt, kein klarer Entschluss, sondern ein leises Fragen.
Was kostet mich diese Liebe eigentlich? Nicht heute oder morgen, sondern auf lange Sicht. Wie viel von mir selbst habe ich bereits zurückgestellt, um diese Verbindung aufrechtzuerhalten?
Ich weiß noch nicht, wie mein Weg aussieht.
Ich weiß nur, dass ich spüre, dass Liebe nicht alles kosten darf. Nicht meine Würde, nicht meine Lebensfreude und nicht mein Gefühl für mich selbst.
Gefühle dürfen da sein, sie dürfen ehrlich und tief sein, aber sie dürfen mich nicht dauerhaft verletzen. Diese Erkenntnis kommt nicht plötzlich, sondern wächst langsam.
Sich selbst wieder wichtig zu nehmen bedeutet nicht sofort loszulassen. Manchmal bedeutet es zunächst, ehrlich hinzusehen. Sich einzugestehen, dass etwas wehtut, auch wenn man es lange verteidigt hat.
Es bedeutet, die eigenen Bedürfnisse wieder ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben, ohne sie sofort zu relativieren.
Vielleicht ist dieser Text kein Abschied, sondern ein erster Schritt zurück zu mir selbst.
Eine Anerkennung dessen, was ist, ohne es weiter schönzureden.
Ehrlichkeit ist oft unbequem, aber sie ist notwendig, um Veränderung möglich zu machen. Und Veränderung beginnt dort, wo man sich selbst nicht länger vergisst.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, dann darfst du wissen: Du bist nicht falsch, weil du liebst.
Aber du darfst dir erlauben, wieder wichtig zu werden. Liebe sollte Halt geben und wachsen lassen – nicht langsam zerbrechen.
