Er würde es nie zugeben, aber so denkt ein Narzisst wirklich über dich
Am Anfang fühlt sich alles intensiv an. Fast magisch. Er sieht dich an, als wärst du etwas Besonderes. Er sagt Dinge, die tief gehen.
Er gibt dir das Gefühl, endlich verstanden zu werden.
Doch irgendwann spürst du, dass etwas nicht stimmt. Seine Nähe ist wechselhaft. Seine Worte verlieren an Gewicht. Und du fragst dich, was in ihm wirklich vorgeht.
Ein Narzisst wird dir seine Gedanken nicht ehrlich offenbaren. Er wird charmant bleiben, überlegen wirken, vielleicht sogar verletzlich erscheinen.
Doch hinter dieser Fassade gibt es eine Denkweise, die kalt, strategisch und erschreckend nüchtern sein kann.
Wenn er absolut ehrlich wäre, würden seine inneren Sätze vielleicht so klingen.
„Du bist nur mein Notfallplan, solange nichts Besseres kommt“

In seinem Inneren gibt es oft kein klares Ja oder Nein, sondern Optionen.
Solange du verfügbar bist, loyal bleibst und ihn bewunderst, erfüllst du eine Funktion. Du gibst Stabilität. Aufmerksamkeit. Sicherheit.
Aber er hält sich innerlich Türen offen. Nicht unbedingt konkret mit einer anderen Person, sondern mit der Idee, dass er immer noch wählen kann.
Dieses Denken schützt sein Ego. Es gibt ihm das Gefühl von Kontrolle. Und genau deshalb vermeidet er klare Verbindlichkeit, selbst wenn er Nähe inszeniert.
Er hält dich emotional nah genug, damit du bleibst, aber nie so nah, dass er sich festlegen muss. Du bekommst gerade genug Aufmerksamkeit, um Hoffnung zu behalten.
Gerade genug Zuwendung, um Zweifel zu überdecken. Und genau dieses „gerade genug“ ist kein Zufall. Es ist ein Balanceakt zwischen Bindung und Freiheit.
Er möchte dich nicht verlieren, aber auch nicht vollständig wählen. Und während du versuchst, Klarheit zu schaffen, hält er die Dinge bewusst vage.
Nicht, weil er verwirrt ist, sondern weil Unklarheit ihm Macht gibt.
„Ich brauche dich, aber ich will dich nicht brauchen“

Das ist einer der größten inneren Widersprüche.
Er genießt deine Nähe. Deine Fürsorge. Deine Loyalität. Doch sobald er merkt, dass er emotional abhängig wird, entsteht Unruhe.
Abhängigkeit bedeutet Verletzlichkeit. Und Verletzlichkeit fühlt sich für ihn gefährlich an.
Also schafft er Distanz. Wird kühler. Zieht sich zurück, genau in dem Moment, in dem du glaubst, ihr kommt euch näher.
Nicht weil er nichts fühlt, sondern weil er nicht mit echten Gefühlen umgehen kann.
Je näher du kommst, desto stärker wird sein innerer Widerstand. Er spürt, dass deine Bedeutung wächst, und das fühlt sich für ihn wie Kontrollverlust an.
Statt sich dieser Angst zu stellen, beginnt er, dich auf Abstand zu halten. Vielleicht durch Kritik, vielleicht durch Rückzug. Du erlebst dieses Wechselspiel aus Nähe und Distanz und fragst dich, was du falsch gemacht hast. Doch es geht nicht um dich.
Es geht um seine Unfähigkeit, sich emotional sicher zu fühlen, ohne Macht über die Situation zu behalten.
„Deine Bedürfnisse sind anstrengend“

Wenn du mehr Klarheit willst, mehr Respekt oder mehr Verlässlichkeit, empfindet er das nicht als berechtigten Wunsch.
Er hört Kritik. Er fühlt sich infrage gestellt. Unter Druck gesetzt.
Statt deine Bedürfnisse als Teil einer gesunden Beziehung zu sehen, interpretiert er sie als Angriff auf sein Selbstbild.
Also relativiert er sie. Dreht sie um. Oder stellt dich als zu sensibel dar oder als arme Opfer.
Mit der Zeit beginnst du, dich selbst zu hinterfragen. Vielleicht forderst du wirklich zu viel? Vielleicht solltest du entspannter sein? Genau das ist der Effekt.
Deine klaren Wünsche werden langsam zu Unsicherheiten in deinem Kopf. Du erklärst dich, statt gehört zu werden. Du passt dich an, statt ernst genommen zu werden.
Und während du immer leiser wirst, fühlt er sich wieder im Gleichgewicht. Nicht, weil Harmonie entstanden ist, sondern weil dein Anspruch auf Gleichwertigkeit geschrumpft ist.
„Solange du mich bewunderst, bleibe ich“

Bewunderung ist für ihn Nahrung.
Solange du ihn erhöhst, ihm Aufmerksamkeit schenkst, ihm das Gefühl gibst, besonders zu sein, fühlt er sich sicher.
Doch sobald du aufhörst, ihn auf ein Podest zu stellen, verändert sich sein Verhalten. Er wird distanzierter. Kritischer. Unzufriedener.
Nicht weil du dich verschlechtert hast, sondern weil sein Spiegelbild schwächer geworden ist.
Er misst eure Verbindung daran, wie sehr du ihn bestätigst. Wenn du stolz auf ihn bist, wenn du ihn unterstützt, wenn du ihn verteidigst, fühlt er sich sicher.
Doch sobald du ihn kritisierst oder einfach nur auf Augenhöhe begegnest, beginnt sein Ego zu wanken. Und statt sich selbst zu reflektieren, verschiebt er den Fokus auf dich.
Plötzlich bist du schwieriger, kälter oder weniger unterstützend. In Wahrheit hat sich nur eines verändert, du hast aufgehört, ihn ununterbrochen zu erhöhen.
„Ich teste, wie viel du aushältst“

Er beobachtet dich. Deine Reaktionen. Deine Grenzen.
Wenn du bleibst, obwohl er dich verletzt, speichert er diese Information. Wenn du deine Standards relativierst, merkt er sich das.
Für ihn bedeutet Toleranz Spielraum.
Er fragt sich nicht, wie er dich schützen kann. Sondern wie weit er gehen darf, ohne dich zu verlieren.
Und jede Grenze, die du verschiebst, verschiebt auch seine. Er will dich testen, dich zum Zweifeln bringen.
Für ihn sind deine Reaktionen Informationen.
Bleibst du nach einem verletzenden Kommentar? Entschuldigst du sein respektloses Verhalten? Verharmlost du seine Distanz?
Jede dieser Reaktionen bestätigt ihm, dass sein Verhalten keine Konsequenzen hat. Es entsteht ein schleichender Prozess, in dem deine Toleranz zur neuen Norm wird.
Und irgendwann erkennst du dich selbst kaum wieder, weil du Dinge akzeptierst, die du früher niemals akzeptiert hättest.
Doch dieser Wandel passiert nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt.
„Deine Stärke macht mir Angst“

Vielleicht bewundert er dich für deine Unabhängigkeit, deinen Erfolg, deine Klarheit. Doch gleichzeitig kann genau das in ihm Unsicherheit auslösen.
Wenn du strahlst, fühlt er sich schnell kleiner.
Vielleicht relativiert er deine Erfolge. Macht Witze. Spielt Dinge herunter.
Nicht offen bösartig, aber subtil genug, dass du dich manchmal fragst, warum dein Wachstum ihn nicht wirklich freut.
Er kann deine Unabhängigkeit bewundern und sich gleichzeitig davon bedroht fühlen. Wenn du selbstsicher auftrittst, wenn du Erfolg hast oder Grenzen setzt, fühlt er sich weniger überlegen.
Und statt sich mit dieser Unsicherheit auseinanderzusetzen, beginnt er, dich kleiner zu machen, vielleicht durch Ironie, vielleicht durch scheinbar harmlose Kommentare.
Du spürst es, kannst es aber oft nicht greifen. Doch echte Liebe freut sich über Wachstum. Sie versucht nicht, es zu bremsen.
„Ich sehe dich nicht ganz, ich sehe, was du für mich bist“

Das ist die härteste Wahrheit. Er sieht dich nicht vollständig. Nicht in deiner Tiefe, deinen Ängsten, deinen Träumen.
Er sieht deine Funktion in seinem Leben.
Bist du die Stabile? Die Bewundernde? Die Geduldige? Die, die bleibt?
Seine Wahrnehmung ist oft zentriert auf das, was du ihm gibst, nicht darauf, wer du wirklich bist.
Und genau deshalb fühlst du dich manchmal unsichtbar, obwohl du direkt vor ihm stehst. Er reagiert auf deine Funktion, nicht auf deine Tiefe.
Wenn du stark bist, sieht er die Stabilität. Wenn du liebevoll bist, sieht er Versorgung. Doch deine eigenen Bedürfnisse, deine Verletzlichkeit, deine Individualität treten in den Hintergrund.
Du wirst zur Rolle, nicht zur Person. Und irgendwann merkst du, dass du dich bemühst, gesehen zu werden, von jemandem, der dich nie wirklich betrachtet hat.
