augen eines narzisstens

Das Leben durch die Augen eines echten Narzissten

Du willst wissen, wie meine Welt aussieht?

Dann vergiss für einen Moment alles, was du über Empathie, Gleichgewicht oder gesunde Beziehungen gelernt hast. Meine Realität funktioniert anders.

Ich betrete einen Raum und spüre sofort, was ich dort sein kann. Mittelpunkt. Projektionsfläche. Spiegel für Sehnsüchte anderer. 

Ich beobachte, scanne, analysiere. Nicht, weil ich schüchtern bin – sondern weil ich wissen will, wer mir nützlich ist. Wer mich bewundert. Wer mich infrage stellt.

Ich lebe nicht wie du. Ich fühle nicht wie du. 

Meine Welt dreht sich nicht zufällig um mich, sie muss es. Denn wenn sie das nicht tut, bricht etwas in mir auseinander, das ich um keinen Preis zeigen darf.

Das ist meine Wahrheit.

Ich sehe Menschen nicht zuerst als Menschen, sondern als Spiegel

junger narzisst

Wenn ich dich anschaue, sehe ich nicht nur dich. Ich sehe, was du in mir auslösen kannst. Bewunderung. Bestätigung. Aufmerksamkeit.

Du bist für mich kein neutrales Gegenüber. Du bist eine Quelle. Eine Möglichkeit. Ein Verstärker meines Selbstbildes.

Wenn du mich bewunderst, fühle ich mich lebendig. Wenn du mich kritisierst, fühlt es sich an wie ein Angriff auf mein Überleben.

Ich messe Gespräche nicht an Tiefe, sondern an Wirkung. 

Hat es mich größer gemacht? Hat es mein Bild nach außen gestärkt? Habe ich dominiert, beeindruckt, überzeugt?

Vielleicht klingt das kalt. Aber für mich ist es normal. Ich brauche Spiegel, weil ich mich selbst nicht stabil fühlen kann. 

Ohne dein Staunen, ohne deine Anerkennung, beginne ich zu schwanken. Und Schwäche ist etwas, das ich mir niemals erlauben darf.

Kritik fühlt sich für mich an wie Verrat

schatten narzisst

Du nennst es Feedback. Ich nenne es Angriff.

Wenn du mich kritisierst, selbst sanft, spüre ich sofort diese Hitze in mir. Nicht Traurigkeit, Wut. Eine Wut, die aus Angst geboren wird.

Denn wenn ich zugebe, dass ich Fehler habe, bröckelt mein Bild. Und mein Bild ist alles.

Also reagiere ich. Ich relativiere. Ich drehe die Situation. Ich erkläre dir, warum du empfindlich bist. Warum du falsch liegst. Warum ich eigentlich im Recht bin.

Nicht, weil ich bewusst manipulieren will, sondern weil ich es nicht ertrage, klein zu wirken.

In meiner Welt gibt es nur zwei Positionen: überlegen oder unterlegen. Und ich werde alles tun, um nicht die zweite zu sein.

Liebe ist für mich Bewunderung, nicht Gleichwertigkeit

mann neon licht

Wenn ich sage, dass ich dich liebe, meine ich oft, dass ich liebe, wie du mich fühlen lässt.

Ich liebe deinen Blick auf mich. Deine Hingabe. Deine Loyalität. Dein Bedürfnis, mir nahe zu sein.

Aber Gleichwertigkeit? Die macht mir Angst.

Ein Partner auf Augenhöhe könnte mich infrage stellen. Könnte mich durchschauen. Könnte meine Fassade berühren.

Also suche ich unbewusst nach Menschen, die mich erhöhen. Die mir Raum geben, zu glänzen. Die sich ein Stück kleiner machen, damit ich größer wirken kann.

Und wenn du anfängst, deine eigene Stärke zurückzufordern, fühle ich mich bedroht. Nicht, weil ich dich nicht mag, sondern weil ich Kontrolle verliere.

Kontrolle gibt mir Sicherheit, auch wenn ich sie nie so nenne

boeser mann

Ich würde dir niemals sagen, dass ich Kontrolle brauche. Ich würde es Führung nennen. Klarheit. Stärke.

Aber in Wahrheit beruhigt es mich, wenn ich weiß, dass du dich nach mir richtest. Dass ich weiß, wo du bist. Mit wem du sprichst. Was du denkst.

Nicht, weil ich dich unbedingt einsperren will, sondern weil Unsicherheit in mir Chaos auslöst.

Wenn ich nicht weiß, wie du über mich denkst, male ich mir Szenarien aus. Ablehnung. Austauschbarkeit. Bedeutungslosigkeit.

Und diese Gedanken halte ich nicht aus. Also sichere ich mich ab. Mit Charme. Mit Druck. Mit subtilen Kommentaren.

Du merkst vielleicht nur, dass ich dominant bin.

Ich spüre nur, dass ich sonst innerlich falle.

Tief in mir ist da eine Leere, die ich nie zeige

narzisst und sein leben

Das wirst du selten sehen.

Nach außen bin ich stark. Selbstbewusst. Unerschütterlich. Aber es gibt Momente, meistens nachts, in denen die Stimmen leiser werden. 

Wenn niemand applaudiert. Wenn niemand zuschaut.

Dann frage ich mich, wer ich ohne all das bin. Ohne Status. Ohne Bewunderung. Ohne Reaktionen.

Und diese Frage ist gefährlich.

Denn ich habe nie gelernt, mich selbst zu mögen, wenn ich nicht außergewöhnlich bin. Wenn ich nicht besonders bin. Wenn ich nicht bewundert werde.

Also sorge ich dafür, dass es immer jemanden gibt, der mich spiegelt. Jemanden, der mir zeigt, dass ich wichtig bin.

Du nennst es Ego. Für mich ist es Überleben.

Wenn du gehst, trifft es mich mehr, als ich zugebe

mann mit blauen augen und schwarzem haar

Vielleicht denkst du, ich sei unberührt. Dass ich sofort weitermache. Dass ich dich einfach ersetze.

Und ja, ich wirke so.

Ich zeige dir nicht, dass dein Weggehen mein Bild erschüttert. Dass ich es als persönliche Niederlage empfinde. Dass ich innerlich tobe, weil du es gewagt hast, mich nicht mehr zu brauchen.

Ich werde dir vielleicht vorwerfen, dass du undankbar bist. Schwach. Überempfindlich.

Aber die Wahrheit ist: Dein Gehen konfrontiert mich mit meiner größten Angst, nicht genug zu sein.

Und statt diese Angst zu fühlen, baue ich schneller eine neue Bühne. Mit neuen Zuschauern.

Und so sieht meine Welt aus

auge eines mannes

Meine Welt ist laut, auch wenn ich es nicht zeige. Sie ist geprägt von Bewunderung und Angst, von Glanz und Unsicherheit.

Ich brauche Applaus, um nicht zu zerfallen. Ich brauche Kontrolle, um mich sicher zu fühlen. Ich brauche Spiegel, weil ich mir selbst nicht traue.

Vielleicht bin ich für dich manipulativ. Vielleicht egoistisch. Vielleicht kalt.

Aber in meiner Realität ist all das ein Schutzmechanismus.

Ich sehe die Welt nicht als Ort von Gleichgewicht und Verbindung. Ich sehe sie als Bühne.

Und solange ich im Scheinwerferlicht stehe, fühle ich mich lebendig.

Sie ist ein permanentes Ringen um Bedeutung. Ein Raum, in dem ich ständig prüfen muss, ob ich noch wichtig bin, noch wirke, noch bewundert werde.

Ich betrete jeden Tag mit der Frage, ob mein Bild hält oder Risse bekommt. Wenn jemand mich ignoriert, fühlt es sich größer an, als es ist.

Wenn jemand mich lobt, speichere ich es wie Beweisstücke für meinen Wert.

Ich lebe zwischen Überhöhung und Absturz. Zwischen Grandiosität und der panischen Angst, gewöhnlich zu sein. Und gewöhnlich zu sein, das wäre für mich schlimmer als jede Niederlage.

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